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Vergasung
In Zusammenhang mit der 1. und 2. Ölkrise Ende der 60iger / Anfang der 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts wurden weltweit die bereits aus den 30iger Jahren bekannten (Kohle-) Vergasungsverfahren wieder aufgegriffen und weiterentwickelt, insbesondere im Hinblick auf Betrieb unter hohem Druck und Umweltverträglichkeit . Ziel war es damals, langfristig die Abhängigkeit vom Rohöl der OPEC zu verringern.
In Zusammenhang mit der CO2-Problematik richtet sich heute das Interesse an der Vergasung (in Kombination mit Gasturbine und/oder Brennstoffzelle) auf
den Einsatz von Biomasse (insbesondere Holz) bei Stromerzeugung und Bereitstellung von synthetischen Kraftstoffen sowie
eine angestrebte Wirkungsgraderhöhung bei der Stromerzeugung auf Basis Kohle und Biomasse gegenüber konventionellen Verfahren.
Was versteht man unter Vergasung?
Unter Vergasung versteht man die Umsetzung eines kohlenstoffhaltigen festen oder flüssigen Stoffes (z.B. Kohle, Biomasse, Öl) mit einem Vergasungsmittel (Sauerstoff/Luft, Dampf) in sog. Synthesegas, das als Hauptkomponenten H2, H2O, CO, CO2 und CH4 enthält. Als weitere Komponenten sind im Produktgas H2S, COS, HCl, NH3, HCN und - abhängig vom Verfahren - ggflls. auch höhere Kohlenwasserstoffe /Teeröle enthalten.
Die Zusammensetzung des Gases ist abhängig von
- der Zusammensetzung des Einsatzstoffes,
- der Art und Menge des bzw. der Vergasungsmittel,
- den Reaktionsbedingungen Temperatur und Druck sowie
- den durch das gewählte Vergasungsverfahren vorgegebenen kinetischen Randbedingungen.
Vergasungs-Prinzipien
Bei den sog. autothermen Verfahren wird die für die Vergasung erforderliche Reaktionswärme durch Teilverbrennung des Einsatzstoffes im Vergasungs-Reaktor zur Verfügung gestellt.
Bei den sog. allothermen Verfahren wird die Reaktionswärme unabhängig von der eigentlichen Vergasung extern erzeugt und von außen durch indirekten Wärmeaustausch in den Reaktor übertragen.
Vergasungs-Verfahren für Kohle und Biomasse
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Einsatzstoff
(Kohle/Biomasse)
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Vergasungstemperatur
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Typischer Vergasungsdruck
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Festbett-Vergasung
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stückig ( 5 bis 80 mm)
Kohle: nicht „backend“
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ca 800°C
(bis 1100°C)
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bis 30 bar
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Wirbelschicht-Vergasung
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feinkörnig (< 5 mm)
Kohle: hohe Reaktivität
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bis 1000°C
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bis 30 bar
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Flugstrom-Vergasung
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staubförmig ( < 100 µm)
Biomasse:nur nach Aufbereitung z.B.Pyrolyse
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bis 1800°C
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bis 60 bar
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Theoretische Grundlagen der Vergasung
Die Zusammensetzung des Produktgases der Vergasung lässt sich (mit bestimmten Einschränkungen) mit Hilfe thermodynamischer Modelle berechnen.
Bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Massen- und Energiebilanz wird die Zusammensetzung bezüglich der Hauptkomponenten durch die folgenden fundamentalen Gleichungen bestimmt
CO + H2O = H2 + CO2 mit Kp (T) = ( p H2 * p CO2 )/( p CO* p H2O) (Shift Conversion)
CO +3 H2 =CH4 + H2O mit Kp (T) = ( p CH4 * p H2O) ) / ( p CO * p³ H2) (Methanation)
Die Gleichgewichtskonstante Kp kann Tabellenwerken direkt entnommen oder alternativ auf Basis der freien Enthalpie ∆G (ebenfalls Tabellenwerken zu entnehmen) gemäß
ln Kp (T) = - ∆G(T) / (R*T) mit R = 8,314 J/(mol*K)
berechnet werden. Die „Gleichgewichtstemperaturen“ , die für die Bestimmung von Kp zu Grunde gelegt werden, müssen aus den Betriebsergebnissen existierender Anlagen abgeleitet werden, da sie von der tatsächlichen Vergasungstemperatur abweichen können .
Massen- und Energiebilanz für eine Flugstrom-Vergasung
Das folgende Bild zeigt das Fliessschema einer Flugstrom-Vergasung, für die die Massen- und Energiebilanz berechnet wurde
Für die Gasflammkohle der angegebenen Zusammensetzung ergibt sich bei
1500 °C und 30 bar
durch Rechnung die folgende Massen- und Energiebilanz.
Einsatzgebiete
Mögliche Einsatzgebiete für die Vergasung sind (siehe oben)
- die Brenngaserzeugung für GUD (Gas- und Dampfturbinen) - Kraftwerke
- die Wasserstoff- / Brenngaserzeugung für zukünftige Brennstoffzellenkraftwerke
- die Wasserstoff- / Synthesegaserzeugung für den Chemiebereich (z.B. für Methanol- und Fischer-Tropsch-Synthese)
Gasreinigung und Gasbehandlung
In Abhängigkeit der weiteren Nutzung (als Brenngas, Synthesegas, Wasserstoff) ist das Produktgas der Vergasung weiteren Behandlungsschritten zu unterziehen , z.B. Entstaubung, Entschwefelung, Abscheidung sonstiger Gaskomponenten, die z.B. als Katalysatorgifte wirken, Konvertierung, Wasserstoffkonzentrierung.
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